
Auch die Einfachheit kann manchmal trostlos einfach sein.
Martin Gerhard Reisenberg, (*1949), Autor
Die Generation Minus wird in den nächsten Jahren das Zepter übernehmen. Auch wenn die nach wie vor robusten Umsatzzahlen des schweizerischen Detailhandels ‚The Age of Less’ noch nicht erahnen lässt und uns Kaufkraft vorgaukelt, machen sich doch schon die ersten Anzeichen veränderten Verhaltensweisen bemerkbar. Sie kommen still, langsam und diskret über die Schwelle des Lebens und werden es tiefgreifender verändern, als wir es zu ahnen glauben.
Es geht nicht darum einfach die Ausgaben zu drosseln und den Konsum auf das unmittelbar nötige zu reduzieren. Die bewusste Genügsamkeit wird sexy. Die ‚Gürtel-enger-schnallen-Philosophie’ wird verinnerlicht. Less is more. Das unbekümmerte, zuweilen naive Wohlstandsvertrauen der Nachkriegsgenerationen zerbröselt langsam, wie Sandstein in saurer Luft. Ein neues Verständnis für Wohlstand greift um sich. Der üppige, kopflose Kaufrausch weicht dem nüchternen und bewussten Konsum. Eat less. Consume less. Waste less.
Junge Familien verfügen ohnehin über keine freien Finanzmittel mehr, um über die Stränge hauen zu können. Vermögensbildung ist kaum noch möglich oder sie ging mit der ärgerlichen ‚Bankster-Krise’ flöten. Der Wohlstand wächst nur noch bei den reifen Generationen. Die volkswirtschaftlich wichtige Mittelschicht fürchtet inzwischen mit guten Gründen den sozialen Abstieg. Es ist keine vorübergehende Sache, die wir wie Kopfschmerzen mit eine Tablette in den Griff bekommen. Die neue Genügsamkeit wird das Lebensgefühl vieler Menschen prägen. Auch in der reichen Schweiz.
Die globalen Ressourcen sind endlich und ein ungebremstes Wachstum wird diese noch schneller auszehren. Die Ernten reichen immer weniger, um mit der Weltbevölkerung Schritt halten zu können. Unbekümmert werden Lebensmittel zu Treibstoff verarbeitet und heizen den Hunger an. Der Aufstand der Hungrigen wird dem Fortschritt der Satten ein Bein stellen. Denn die bei uns neu aufkommende und ‚trendsettige’ Reduktion auf das Lebensnotwendige ist in vielen Regionen dieser Welt Alltag. Der Überfluss kommt dort nur via Fernsehempfang in die Blechhütte. Nach wie vor freut sich eine sehr gut verdienende ‚Life-Style-Industrie’ gegen das wachsende Bauchfett der ‚Über- und Übelernährten’. Die Konsumpsychologin Simonetta Carbonaro bringt es jetzt treffend auf den Punkt: La festa è finita!
Die fremd gesteuerten, vom Marketing getriebenen und kritiklosen Konsumenten/-innen werden mehr und mehr verschwinden. Wer über weniger Geld verfügt, wird bewusster einkaufen und nur dort in gute Produkte investieren, die sinnstiftend und nachhaltig sind. Blöder Schrott versus gescheite Qualität! Die neue Bescheidenheit wird uns die Richtung weisen.
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